Muskelentspannung

Bei der progressiven Muskelentspannung (kurz PME; auch progressive Muskelrelaxation, kurz PMR, progressive Relaxation, kurz: PR, oder Tiefenmuskelentspannung) nach Edmund Jacobson handelt es sich um ein Entspannungsverfahren, bei dem durch die willentliche und bewusste An- und Entspannung bestimmter Muskelgruppen ein Zustand tiefer Entspannung des ganzen Körpers erreicht werden soll. Dabei werden nacheinander die einzelnen Muskelpartien in einer bestimmten Reihenfolge zunächst angespannt, die Muskelspannung wird kurz gehalten, und anschließend wird die Spannung gelöst. Die Konzentration der Person wird dabei auf den Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung gerichtet und auf die Empfindungen, die mit diesen unterschiedlichen Zuständen einhergehen. Ziel des Verfahrens ist eine Senkung der Muskelspannung unter das normale Niveau aufgrund einer verbesserten Körperwahrnehmung. Mit der Zeit soll die Person lernen, muskuläre Entspannung herbeizuführen, wann immer Sie dies möchte.

Klinische Belege und Wirksamkeit

In einer 1994 publizierten Metastudie wurden 66 bis 1985 publizierte Studien mit zusammen etwa 3000 Patienten zur PMR als eigenständigem (und nicht lediglich die Verhaltenstherapie unterstützendem) Therapieverfahren ausgewertet. In 75 % der Studien wurden deutliche Symptombesserungen, in 60 % darüber hinaus Verbesserungen der allgemeinen Befindlichkeit festgestellt. Diese waren stabil. Bei Angst- und Spannungszuständen (inklusive damit verbundener körperlicher Beschwerden) sei die spezifische Wirksamkeit der PMR gut belegt. Die PME sei differentiell wirksam, am besten bei Patienten mit leichteren Symptomen, die von vornherein der Wirksamkeit der PMR positiv gegenüberstanden. Aufgrund dessen und der relativ leichten Erlernbarkeit wird die PMR als das für die klinische Praxis geeignetste Entspannungsverfahren bezeichnet.

Positive Wirkungen

Folgende Verbesserungen werden Sie bei regelmäßigem Üben, auch in kleinen Dosen, bald an sich selbst feststellen können:

Allgemein:

-Die Atmung wird langsamer und gleichmäßiger

-Das Wohlbefinden bessert sich

-Die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit werden gesteigert

Psyche:

-Sie werden gelassener, auch und gerade in schwierigen Lebenssituationen

-Störungen, die auf Angst und Anspannungen beruhen, Schlafstörungen, Nervosität und Unruhe, Stress, Kopfschmerzen, Migräne, Tinitus oder Asthma werden gebessert

Herz – Kreislauf – System:

Blutdruck und Herzfrequenz normalisieren sich ( bei arterieller Hypertonie )

-Die Durchblutung, besonders in den Extremitäten, nimmt zu, Sie haben seltener kalte Hände und Füße

-Auch die Durchblutung des Herzens verbessert sich, wodurch Herz – Kreislauf –Erkrankungen und Thrombose vorgebeugt wird und Herzklopfen, Schwitzen und Zittern reduziert werden

Innere Organe:

-Sie tun Ihrer Verdauung was Gutes

-Alle inneren Organe werden gestärkt und besser durchblutet

Schmerzen:

-Alle Arten von chronischen Schmerzen, aber auch vorübergehend auftretende Rücken- oder Gelenkschmerzen  werden verringert oder verschwinden ganz

Medizinisch – Somatische Beschwerden:

-Etwa bei einer Chemotherapie: bedeutet weniger Übelkeit oder Erbrechen

Abwehrkräfte:

-Das Immunsystem reagiert und arbeitet harmonischer. Ihre Anfälligkeit für Infekte sinken dadurch deutlich

Wann lieber nicht üben ?

Trotz der großen Zahl positiver Einsatzmöglichkeiten gibt es auch einige wenige Krankheitsbilder, bei denen nicht geübt werden sollte – oder nur mit geringer Intensität.

Zu diesen Krankheitsbildern gehören: Hexenschuss, Muskelentzündung, Arthritis, schwerer Bluthochdruck, schwere Herzerkrankungen, schwere Depression und Schizophrenie.